Podcasts aus MV: Da muss ich erstmal hindenken

Cover des Podcasts Da muss ich erstmal hindenken
Da muss ich erstmal hindenken – der Podcast
So hat es ja irgendwie angefangen, mit den Podcasts: Leute setzen sich hin und reden. Und ich bin dabei. Fast wie bei einem zufällig belauschten Kneipengespräch. Und ob die da am Nachbartisch sich verfransen, oder konsequent beim Thema bleiben, ob einer das Gespräch führt oder gleich zwei voller Esprit am Tisch sitzen, ob es ganz persönlich wird, oder die beiden auf Metaebenen schweben – geschenkt. Ich lerne Leute kennen und wenn ich sie mag, höre ich weiter zu.

Vor einiger Zeit schrieb mir Marlene Eiberger, Schauspielerin am Jungen Staatstheater in Parchim , dass es sowas nun aus Parchim gibt: sie, also Marlene Eiberger, und ihr Schauspielerkollege Felix Caspar Krause schnappen sich Begriffe, Ideen, Zustände und reden drüber. Über Bescheidenheit zum Beispiel. Und ob sie eher schadet oder nützt. Ob falsche Bescheidenheit besonders doof ist, oder vorgetäuschte. Oder sie machen eine Sendung darüber, ob Schauspieler ihre Rollen im Leben anders spielen, als andere Leute. Über Leistungsgesellschaft und Druck. Und nun, in der zweiten Staffel, laden sich die beiden Gäste ein.

Vier Folgen hab ich mir angehört – die beiden neuesten, jeweils mit Gast, und die letzten beiden Folgen der ersten Staffel. Am Anfang spricht, nein, raunt ein Schauspieler, offensichtlich ist es ein Schauspieler, ein paar einleitende Worte, das Mission-Statement quasi, dann ein kleines Jingle, gebaut aus den Klassikern scheiternder Video- oder Audiokonferenzen (Kannst Du mich hören? Du musst die Eingangslautstärke höher… na sowas halt) und dann stellen sich die beiden Fragen.

In den Folgen der ersten Staffel, die ich gehört habe, hat vor allem Felix Caspar Krause Fragen gestellt und aus Marlene Eibergers Antworten eigene Gedanken, eigene Theorien entwickelt. Theorien – das klingt jetzt gleich so nach „Menschen mit Bibliotheken in Köpfen sind gemeinsam weise“ – das ist es nicht und das behauptet die Sendung auch nicht zu sein. Es geht eher ums genau hinschauen beim Denken, Meinen, Reden und um den eigenen, gelernten, alltäglichen Zugang zur Welt und die eigene Perspektive. Auch wenn immer mal richtig tiefe Zitate geraten werden, was einer Sendung ja durchaus etwas Buchclubintellektuelles geben kann, wird’s hier nicht philosophisch, wohl aber küchenphilosophisch, küchenpsychologisch. Kneipe. Nachbartisch.

Am Ende der Sendung: Rubriken, kleine Spiele – das Ärgernis der Woche, eine Empfehlung, eine Entscheidungsnummer a´la „Sekt oder Selters“, etwas kurzweilig Munteres also und das alles passt in 30 bis 60 Minuten.

Ganz anders die Folgen der zweiten Staffel, weil: mit Gast. In der ersten Folge, die Kommunalpolitikerin Jana Haak, es geht um Ehrlichkeit in der Politik, Wahlversprechen, Kommunikation und ihre Grenzen, um den Unterschied zwischen Kommunalpolitik und der Arbeit z.B. in Land- und Bundestag und auch hier wieder: Spiele. (Mein Patronus wäre übrigens ein Faultier.)

In der zweiten Nummer: der Schauspieler Kai Friebus, der, wenn er die Namen russischer Schriftsteller ausspricht, so rund und russisch artikuliert, dass beim Hören der innere Samowar brodelt. Kein Wunder: er stammt aus einer russischen Familie lerne ich und entsprechend ist unter anderem der Vergleich etwa der deutschen und der russischen Seele ein Thema. Ich hab ein bisschen was über russische Bühnentradition gelernt, dann: Spiele. Kurzweilig, verplaudert.

Besonders schön:
– wenn die zwei Schauspieler ihre Arbeit und ihre Einstellung dazu reflektieren, wenn sie persönliche Erfahrungen von der Bühne teilen, von Menschen berichten, wenn sie persönlich werden

Bisschen schwierig:
– der Sound

Und sonst so?
Na, für ein paar Themen bin ich vielleicht nicht die Zielgruppe und hier und da hätten ein paar Kontroversen oder auch nur ein paar Anekdoten vielleicht noch etwas mehr Spaß in die Sache gebracht. Überhaupt. Spaß! Mehr Spaß! Das mit den Gästen wird bestimmt gut.

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