Lassmalnaboda! oder: Was ist ein Podcast?

Die Geschichte des Podcasts ist eine Geschichte voller Missverständnisse (hier blaue Ersatzflüssigkeit einfüllen).

So, jetzt habe ich hoffentlich Ihre Aufmerksamkeit, clickbait quasi, genau genommen ist dieser Satz nämlich nicht wahr. Mich verfolgt genau genommen nur ein Missverständnis und das betrifft die Antwort auf die Frage: „Was ist ein Podcast“. Ich will all die seltsamen Annahmen nicht wiederholen, aber das Problem ist immer dasselbe: der Versuch, den Begriff Podcast über den Inhalt zu definieren.

Wikipedia formuliert es so: Ein Podcast ist eine Serie von meist abonnierbaren Mediendateien (…) im Internet.

Damit könnte dieser Text schon zu Ende sein, aber ich hab mich in den vergangenen Monaten so oft über Leute geärgert, die mit Hilfe ihrer persönlichen, daher gemeinten Definitionen von „Podcast“ eine ernsthafte Diskussion führen wollten, dass ich doch noch etwas weiter machen muss:

Inhalt ist egal
Bei Betrachtung der Wikipedia-Begriffsbestimmung fällt auf: hey, da gehts ja gar nicht um den Inhalt… Richtig. Denn der Inhalt ist für die Definition von Podcast Wumpe. Ob ich zehn Minuten „Die schönsten Bürofürze der Woche“ als Podcast bereit stelle, ein Radiofeature oder ein Gespräch, ob ich eine geschnittene Collage veröffentliche oder einfach bei einem chilligen Grillabend mit lauter Zootierpflegern (es gibt Zebra!) das Aufnahmegerät laufen lasse und das Ganze dann ungeschnitten raushaue – es wird zum Podcast wenn es für andere abonnierbar ist. Also: Eine Audiodatei wird zur Ausgabe eines Podcasts, wenn sie mir via Abo frei Haus geliefert wird. Die Technik dahinter ist in der Regel RSS, ist vergleichsweise alt, absolut großartig und in Gefahr.

Was dahinter steht: die Trennung von Inhalt und Form
Im Prinzip hat ja jede Internetseite zwei Ebenen: die eine ist der Inhalt, die andere die Form, in der dieser Inhalt präsentiert wird. Beides hat ja erstmal nichts miteinander zu tun und wird auf Internetseiten getrennt verwaltet. Der Inhalt steht in einer Datenbank, als Text, als Verweis auf ein Bild, ein Video oder – damit sind wir beim Podcast – eine Audiodatei. Und indem ich diese Datenbank anzapfe, kann ich diese Inhalte abrufen, ohne dass ich die Internetseite selbst öffnen muss. Oder etwas technischer formuliert: Anbieter stellen eine Schnittstelle bereit, an die sich jeder andocken kann, um die Inhalte dieses Anbieters dann in einem eigenen Zusammenhang darzustellen. Zum Beispiel in einem Feedreader bzw. Podcatcher.

Das passiert bei mir
Das Ganze muss man sich so vorstellen: Ich habe auf dem Endgerät meiner Wahl ein Programm – einen Feedreader, im Bezug auf Podcasts gern auch Podcatcher genannt. Diesem Programm sage ich: guck mal, da bei den Flachlandreportern liegt eine Text-Datei (Feed), die schnapp dir mal und gucke in regelmäßigen Abständen rein, ob da was Neues drinsteht. Wenn da was neues drinsteht, zeige es mir an.

Das passiert beim Anbieter
Im Maschinenraum der Internetseite flachlandreporter.de wiederum passiert folgendes: wann immer Sascha und ich eine neue Sendung auf den Server geschoben haben, bekommt die Textdatei (Feed), die das Programm auf meinem Endgerät ausliest, einen neuen Eintrag. Da steht der Link zur Audiodatei drin und noch ein Haufen Zusatzinformationen. Und weil mein Programm, also mein Feedreader, mein Podcatcher, was immer ich da nutze, diese Datei quasi observiert, kriege ich die neue Folge der Flachlandreporter angezeigt.

Warum ist so ein Feed so großartig?
Weil jeder so ein Feed bereit stellen und jeder so ein Feed abonnieren kann. So ein Feed funktioniert überall – auf nahezu allen Endgeräten, auf allen Betriebssystemen, zur Not auch ohne Programm, einfach im Browser und vor allem: ohne dass da irgendwo jemand irgendwas genehmigen, freischalten oder kuratieren muss. Außer der Herausgeber, der Autor des Podcasts. Und noch großartiger: so ein Feed funktioniert nicht nur für Podcasts, sondern auch für Artikel, Videos, Bilder, also für fast alle Arten Inhalt im Netz. Denn ehrlich: bei so einem Tierpfleger-Grillfest mit Zebra im Smoker, da würde ich schon gern ein paar Bilder sehen.

Warum sind Feeds in Gefahr?
Was heißt in Gefahr. Außer für Podcasts sind Feeds schon fast irrelevant. Und wieder mal sind es die Sozialen Medien, die es versaut haben. Denn die pfeifen auf Feeds. Die wollen, dass man ihre Apps nutzt und ihre Internetseiten besucht. Die wollen ihre Inhalte bei sich behalten, in ihrem Ökosystem und haben also überhaupt kein Interesse daran, die über ein Feed bereitzustellen. Das Schlimme: sie haben die Nutzer auch entsprechend erzogen. Und das ist doof. Denn in dem Moment, wo Inhalte, wie Podcasts nicht mehr per Feed veröffentlicht werden, sondern innerhalb eines festen Umfelds – sei es Facebook, Instagram, Twitter oder Spotify, dann bestimmt der Herr des Umfelds potenziell auch, welche Inhalte seine Nutzer angezeigt bekommen.

Konsequenzen?
Ich hab mich vor einiger Zeit entschieden, mein Zeug auch wieder selbst zu veröffentlichen, hier. Twitter und Facebook dienen noch als Werbeplattform. Lediglich Instagram befülle ich noch und binde die Fotos hier ein. Und natürlich gibts alle Artikel hier im Feeddie Flachlandreporter sowieso und auch wenn wir aus Gründen auf die ARD-Audiothek verweisen, gibt es natürlich auch von Dorf Stadt Kreis ein Feed.

PS: Ein Podcast ist eine Serie von meist abonnierbaren Mediendateien (…) im Internet. (Wikipedia)

PSPS: Punkt.

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