Neue Lieder auf Plattdeutsch Teil 1/5: De lütt dreieckig’ Diern

Zeichnung: Klara Peplow
Als die „Lieder für Frieda“ entstanden sind, im Winter 2019/2020, war das, wie eine Sprachlosigkeit zu überwinden. Ich war mir sicher – und bin es immer noch – dass das letzte, was diese Welt braucht, noch ein mittelalter Sänger ist. Aber: vielleicht braucht Frieda ein paar Lieder auf den Weg. Und dann hab ich losgeschrieben und ein Lied sollte ein Spiel mit der Perspektive sein.

Beim Song „Ein dreieckiges Mädchen“, wollte ich den Blick lenken vom großen blauen Ball im All bis hinunter unters Bett, dorthin, wo in einer Schachtel unter Staub eine Blatt Papier liegt. Und darauf, wohl gemalt von einem Kind, ein dreieckiges Mädchen, das schwebt. Wer je ein Kind hat ein Mädchen im Kleid malen sehen weiß, was es mit dem Dreieck auf sich hat. Und in der zweiten Strophe dann geht die wilde Fahrt der Perspektive weiter: das gezeichnete Kind hält – wie einen Luftballon womöglich – einen blauen Ball im All…

Im Januar 2022 hab ich begonnen, Plattdeutsch zu lernen. Und Susanne Bliemel, Schriftstellerin, Moderatorin, Übersetzerin und: meine Lehrerin, hat das Lied entdeckt und es übersetzt. Einfach so. Lag plötzlich auf dem Tisch. Mir Anfänger schien das allerdings zunächst etwas sperrig, um es so einfach zu singen und so blieb die plattdeutsche Fassung bis Dezember 2022 in der Schublade.

Mittlerweile bin ich sicher: „Ein dreieckiges Mädchen“ ist auf Plattdeutsch so viel schöner… es schwebt viel mehr und Konsonanten krachen durch den Text. Ich mag es sehr.

Text und Musik: Thomas Naedler, Übersetzung: Susanne Bliemel, Flügelhorn und Trompete: Lucas Pusch, Bläser-Arrangement: Julius Papenfuss.

De lütt dreieckig’ Diern

Up so ein’ blågen Ball in’t All
liggt dor in ein leddig’ Land
twüschen Bargen un See
up ’n heil passåbeln Breidengråd’
ünner de See in’n Nuurden
œwer twei leddig’ Länner
an ein’ See, so’n lingelang’n
’ne Stadt, ’ne lürlürlütte
dor ein Hus, gries dat Dack
ünner’t Dack steiht ein Bedd
ünner’t Bedd ünner Stoff
’ne lütt Schachtel binn’ ein Bladd
d’rup ’ne lütt dreieckig’ Diern, de schwääft
’ne lütt dreieckig’ Diern, de schwääft
’ne lütt dreieckig’ Diern, de schwääft
’ne lütt dreieckig’ Diern

De höllt in de Hand so ein’ blågen Ball in’t All,
dorup ein Land, dor binn’ ein Land
de Stadt is lütt un schmuust sik an
twüschen de Seen ’n Hus an’n Hang
ünner dat Dack ünner dat Bedd
in’ne lütt Schachtel licht ein Bladd
d’rup ’ne lütt dreieckig’ Diern, de schwääft
’ne lütt dreieckig’ Diern, de schwääft
’ne lütt dreieckig’ Diern

up ein’n blågen Ball in’t All
målt in ein leddiget Land
twüschen de Seen ’n Kind
’ne lütt dreieckig’ Diern, de schwääft
’ne lütt dreieckig’ Diern, de schwääft
’ne lütt dreieckig’ Diern, de schwääft
’ne lütt dreieckig’ Diern …

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