Neue Lieder auf Plattdeutsch Teil 3/5: Let the Schuen´boehn burn

Als Kind hab ich viel Zeit in der Werkstatt meines Großvaters verbracht. Hier hatte alles seinen Platz, ohne dass es dort je aufgeräumt gewesen wäre. Aber in dem vermeintlichen Chaos fand sich eben alles, was nötig ist, um Puppenhäuser zu bauen, eine Garage zu entwässern oder Traktorreifen zu wechseln. Als mein Großvater dann starb, wurde all das für ein paar Jahre zu einem kleinen Museum, zu einem Erinnerungsort. Und schon immer hab ich drüber nachgedacht, darüber zu schreiben: wie jeder Gegenstand ein Stück von dem Menschen in sich trägt, der ihn einmal angeschafft und dann lange benutzt hat. Und natürlich über dieses seltsam ambivalente Verhältnis, das ich als Nachkomme nun zu all dem habe. Weil es die Sachen meines Großvaters waren, lag es nicht an mir zu entscheiden, was mit all dem wird und ich bin froh darüber, ich hab das Taschenmesser meines Opas und das ist gut so. Doch was wäre wenn…

Was wäre wenn mein Vater mich auf den Dachboden einer alten Scheune führte, auf dem all das versammelt ist, was übrig blieb von den Generationen vor mir… Omas Nähmaschine, die Vitrine, in der Großvater seine Feuerwehrabzeichen aufbewahrte, die Spielzeug-Tierwelt aus Hartgummi, die Blecheisenbahn… Sind das Sachen für den Flohmarkt, will ich all das aufbewahren, oder…

In diesem Lied gewinnt das „oder“… unser Held nimmt den Streichholz und lässt den Scheunenboden brennen… „Let the Schuen´boehn burn…“ Am Gleichklang des plattdeutschen „Boehn“ für Boden und dem englischen „burn“ für brennen bin ich nicht vorbeigekommen.

Was ich gelernt habe: Staub heißt tatsächlich Stoff auf Platt und der Genitiv wird gar lustig gebildet… in der ersten Version schrieb ich von „Grotvadders Afteikenschapp“ und „Grotmudders Neihmaschien…“ Vom besten Lektorat von allen hieß es… so gehts nicht und nun haben wir plattdeutsch korrekt: „Opa sien Afteikenschapp“ und „Oma ehr Neihmaschien“…

Let the Schünbœhn burn!

Kœtels un Kastens
de Musfall is leddig
Stoff måkt denn Lappen gries an de Poppenbühn

Knieptang un Dråht
Opa sien Afteikenschapp
Gries ok dat Bedd-Dauk up Oma ehr Neihmaschin

Tüddelkram, Tüüchs… wat œwrig blifft
Vaddern meint, dau wat du wist dormit, nu is dat dien, mien Soehn
Flohmarkt ünner‘t Dack? Trödelmarkt in Hamborch?
Let the Schünbœhn burn!
Let the Schünbœhn burn!
Let the Schünbœhn burn!

De Isenbahn… Bleck un Farv
de Schlötel vull Rust
dreiht hett sik hier … all lang nix miehr

Gummischåp, Gummiswien
Dat Pierd hebben de Müs
an´t Been so’n lütt bäten… anfräten….

Tüddelkram, Tüüchs… wat œwrig blifft
Vaddern meint, dau wat du wist dormit, nu is dat dien, mien Soehn
Flohmarkt ünner´t Dack? Trödelmarkt in Hamborch?
Let the Schünbœhn burn!
Let the Schünbœhn burn!
Let the Schünbœhn burn!

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